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»Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll in den lateinischen Riten erhalten bleiben.«
(II. Vatikanisches Konzil, Konstitution über die Heilige Liturgie »Sacrosanctum Concilium«, Art. 36 § 1)

       Aufsatz eines KANTORSTABS
                      um 1420/70

»Die Kirchenmusik muß in höchstem Maße die besonderen Eigenschaften der Liturgie besitzen, nämlich die Heiligkeit und die Güte der Form; daraus erwächst von selbst ein weiteres Merkmal, die Allgemeinheit. Diese Eigenschaften finden sich in  höchstem Maße im Gregorianischen Choral, besitzt in vorzüglichem Maße auch die klassische Polyphonie. Eine Kirchenkomposition ist um so heiliger und liturgischer, je mehr sie sich in Verlauf, Eingebung und Geschmack der gregorianischen Melodik nähert; und sie ist um so weniger des Gotteshauses würdig, als sie sich von diesem höchsten Vorbild entfernt.« 

(Papst Pius X., Motu proprio zur Kirchenmusik »Tra le sollecitudine« vom 22. November 1903)

»Die Pflege der Kirchenmusik hat unter Förderung und Leitung durch die Kirche im Laufe der Jahrhunderte einen weiten Weg zurückgelegt, auf dem sie allmählich zu Vollkommenerem sich erhob. Und wenn solcher Fortschritt der Tonkunst klar zeigt, wie sehr der Kirche daran lag, den Gottesdienst immer glanzvoller zu gestalten, so tut er auch kund, warum die Kirche gleicherweise wiederholt verhindern mußte, daß die rechten Grenzen überschritten würden und zugleich mit dem wahren Fortschritt sich etwas Weltliches und dem heiligen Kult Fremdes in die Kirchenmusik einniste und sie verderbe.«


(Papst Pius XII., Enzyklika über die Kirchenmusik »Musicae sacrae disciplina« vom 25. Dezember 1955)


Te Deum [Alternatim] - Pierre Cochereau / Maîtrise de Notre-Dame - Quelle: youtube


Stiftskapellmeister, Kirchenkomponist, Kanoniker – Michael Haller (1840-1915)

Begleitband zur Ausstellung in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg zum 100. Todestag – 2015

Michael Haller gilt als ein Hauptvertreter des Regensburger Cäcilianismus. Mit seinen Kompositionen, Editionen und musiktheoretischen Lehrwerken vermittelte der Stiftskapellmeister und Kanoniker an der Alten Kapelle zu Regensburg die Ziele des Cäcilienvereins in überzeugender Weise weit über die Bistumsgrenzen hinaus. Hallers am polyphonen Satzideal orientierte Werke wurden als beispielhaft betrachtet und brachten ihm den Titel »Palestrina des 19. Jahrhunderts« ein. Der Ausstellungskatalog beleuchtet die Herkunft und Kindheit des aus Neusath in der Oberpfalz stammenden Haller, seine Schulzeit im Internat des Benediktinerklosters Metten, seine Ausbildung zum Priester, seine Tätigkeit als Stiftschorregent und als Herausgeber alter Vokalpolyphonie, stellt die Frage, ob die Bezeichnung »Palestrina des 19. Jahrhunderts« zu Recht besteht, geht den verlegerischen Aktivitäten des Regensburger Verlags Friedrich Pustet in Sachen Haller nach und stellt die Privatbibliothek des Jubilars vor. Beiträge von Camilla Weber, Dieter Haberl, Raymond Dittrich, Siegfried Gmeinwieser, Rosemarie Weinberger. 192 Seiten, zahlreiche s/w- und Farbabbildungen, ISBN 978-3-7954-3063-4, € 15,-


Archive of recorded church music

Preserving a unique & priceless heritage of recordings from traditional choirs ​​singing in the English cathedral tradition from 1902 to the present day

The recording of choirs, both great and small, has a long and illustrious history, stretching way back to 1902. For in October of that year St Andrew's, Wells Street, London became the very first choir to issue a gramophone record. This momentous occasion marked the beginning of over a hundred years of recording which continues to the present day. These recordings, from both Anglican & Roman Catholic choirs, are part of our cultural and musical heritage. The raison d'etre of the Archive is to preserve them for future generations, from the very earliest to the latest new release. In the fullness of time the Archive will be left to a musical or educational institution. Some of the greatest treasures in the Archive are from small independent labels or private on-off recordings. These private recordings were often made by the choirmaster or enthusiastic amatures armed with a tape recorder. The Archive also houses a large collection of Radio and TV broadcasts; such as BBC Choral Evensongs, Services, Concerts and Documentaries. An extensive collection of commerial DVDs, together with Film, Radio & TV based dramas, are also held in the Archive.

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Beethovens Credo

Ludwig van Beethovens Verhältnis zur Religion ist ein endloses Thema. Gesichert ist: der Komponist stand der Amtskirche äußerst skeptisch gegenüber.

Kirchgänge sind so gut wie keine verbürgt. Eine Anekdote erzählt, noch auf seinem Sterbebett hätte Beethoven nach Erhalt des Sterbesakraments ironisch applaudiert – und verwies damit auf Kaiser Augustus‘ berühmtes „Plaudite amici, comedia finita est!“ Mittlerweile konnte diese Erzählung zwar widerlegt werden,* aber sie entspricht dem Bild, das bezüglich des Meisters der großen europäischen Sinfonien kursierte. Josef Haydn, praktizierender Katholik und eifriger Rosenkranzbeter sollte seinen talentiertesten Schüler gar einen „Atheisten“ schimpfen. Mehr...


Aachens Domkapellmeister a. D. Prälat Dr. Rudolf Pohl 65 Jahre Priester

Der ehemalige Domkapellmeister von Aachen (1964-1986) und langjährige Präsident der „Consociatio Internationalis Musicae Sacrae“ (CIMS), Rom, Prälat Dr. Rudolf Pohl, feiert am 2. Juli 2016 sein 65jähriges Priesterjubiläum.

Der Priestermusiker wurde am 5. November 1924 in Aachen geboren, wo er von 1933 bis 1942 als Domsingknabe unter dem legendären Domkapellmeister Prof. Theodor Bernhard Rehmann in die großartige Welt der Musica sacra eingeführt wurde. Nach Abitur, Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft studierte er in Paderborn, Frankfurt a. M. und Bonn sowie am Aachener Priesterseminar Theologie und Philosophie. Am 2. Juli 1951, dem Fest Mariä Heimsuchung, empfing er im Aachener Dom aus der Hand von Diözesanbischof Johannes Joseph van der Velden die hl. Priesterweihe. Nach dem plötzlichen Tod seines Lehrers und Vorgängers Rehmann im Oktober 1963 wurde Pohl von Bischof Johannes Pohlschneider im April 1964 die Gesamtleitung des Aachener Domchores übertragen, den er dann endgültig in die klassische liturgische Besetzung mit Knabenoberstimmen zurückführte. Zur Sicherung des Nachwuchses an Singknaben und als Wiederbegründung einer jahrhundertelangen Tradition richtete Pohl 1960 die Domsingschule, eine private katholische Grundschule für Jungen, ein. Pohl schuf in systematischer, musikalisch, theologisch und pädagogisch qualifizierter und fundierter Aufbauarbeit einen Knabenchor, der die Aachener Dommusik weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt machte. Mehr zu Domkapellmeister Pohl...


»Die stärkste Heilkraft besitzt klassische Musik«

Herzerkrankungen: Welche Musik wirkt sich positiv aus? Während Lärm zu deutlichen Beeinträchtigungen von Herz und Kreislauf führen kann, ist wohlklingende Musik in der Lage den Blutdruck zu senken, die Herzfrequenz zu verringern und Herz-Kreislauf-Erkrankungen günstig zu beeinflussen.

»Die stärkste Heilkraft besitzt dabei klassische Musik«, unterstreicht der Herzspezialist und Organist Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung. Der folgende Beitrag erläutert, welche Auswirkungen verschiedene Musikstile auf den menschlichen Körper haben. Mehr...


Die gläubige Begegnung mit Gott im Hinblick auf die Musica Sacra

von Prof. Johann Sengstschmid

Eine innere Voraussetzung für die gläubige Begegnung mit Gott liefert uns das 1. Buch der Könige, wo über Elija am Berg Horeb berichtet wird (Kap. 19, 11-13). Dort steht zu lesen: "... Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat heraus und stellte sich an den Eingang der Höhle. Da vernahm er eine Stimme, die ihm zurief ...".

Auf die Musik übertragen läßt sich daraus schließen: Nicht in rhythmischer Vitalität mit körperlicher Bewegungsherausforderung findet die Gottesbegegnung statt, sondern in einem Musikstil, von dem es etwa in der 3. Durchführungsinstruktion (1970) heißt: "... Obwohl die Kirche bei den liturgischen Handlungen keine Art von sakraler Musik ausschließt, so ist jedoch nicht jede Art von Musik, Gesang oder Instrumenten in gleicher Weise geeignet, den Gebetsgeist zu fördern ... Um die Frömmigkeit zu fördern und zu viel Lärm zu vermeiden, mögen die Musikinstrumente sorgfältig ausgewählt werden ...", wobei dieser Text dem inneren Sinn nach auf den heiligen Papst PIUS X. zurückgreift, der 1903 in seinem Motu proprio "Inter pastoralis officii", dessen Inhalte die Liturgiekonstitution des 2. Vatikanischen Konzils bekräftigte, das Folgende formulierte: "Die Kirchenmusik muß also die besonderen Eigenschaften der Liturgie besitzen, vor allem die Heiligkeit und Güte der Form; daraus erwächst von selbst ein weiteres Merkmal, die Allgemeinheit. Die Kirchenmusik muß heilig sein; daher muß alles Weltliche nicht allein von ihr selbst, sondern auch vor der Art ihres Vortrages ferngehalten werden. Sie muß ferner den Charakter wahrer Kunst besitzen, sonst vermag sie nicht jenen Einfluß auf die Zuhörer auszuüben, den sich die Kirche verspricht, wenn sie die Tonkunst in die Liturgie aufnimmt. Sie soll auch allgemein sein, d. h. die einzelnen Völker dürfen wohl in den kirchlichen Weisen gewisse Formen anwenden, die gleichsam die Eigentümlichkeiten ihrer Musik bilden; diese Formen müssen aber dem allgemeinen Charakter der Kirchenmusik derart untergeordnet sein, daß kein Angehöriger eines anderen Volkes beim Anhören derselben einen unangenehmen Eindruck empfängt."

Es kommt also auf ein der Zucht unterworfenes und für alle - wirklich für alle, ob Kind oder Greis, ob In- oder Ausländer, ob Weißer, Gelber, Roter oder Schwarzer - also auf ein für alle nicht anstößiges, würdiges Musizieren an, so wie die dem Gebetsgeist zugeordnete Körperhaltung ein geduldiges Verharren, ein gemessenes Schreiten, Stehen, Sitzen und Niederknien und nicht pulsierende Bewegungen beinhaltet. Ein Bedürfnis nach Innerlichkeit kennt kein ekstatisch erregtes Beschwören der Gottheit, wie es sich uns in afrikanischen Kulturen darbietet, und meidet alles Laute, Grelle, Sensationelle, das gesteigerte Reizbedürfnis, das den Leib Erregende u.a.m.

Wer voll Andacht das Gebet, das Gespräch mit Gott, sucht, benötigt innere Sammlung, und diese wird gestört, wenn die Beine, die Arme, der Kopf, ja der ganze Körper unwillkürlich zum rhythmischen Mitwippen herausgefordert werden und deren Unterlassung einen Willensakt erfordert. Daher sei man kritisch gegenüber einem Kirchenmusikstil, der nicht aus dem Fortführungsprozeß des organischen Werdens und Reifens des durch die Jahrhunderte hin Lebendigen (nach Kardinal Joseph Ratzinger) resultiert, sondern der seine Wurzeln im Spiritual, im Jazz, sowie in der Orff-Nachfolge hat. Zudem steht man durchaus auf dem Boden des 2. Vatikanischen Konzils, denn in dessen Liturgiekonstitution heißt es im Artikel 23: "Schließlich sollen keine Neuerungen eingeführt werden, es sei denn, ein wirklicher und sicher zu erhoffender Nutzen der Kirche verlange es. Dabei ist Sorge zu tragen, daß die neuen Formen aus den schon bestehenden gewissermaßen organisch herauswachsen."

Wird also im Gottesdienst ein Kirchenmusikstil, der, wie oben beschrieben, seine Wurzeln im Spiritual, im Jazz, sowie in der Orff-Nachfolge hat, zu Gehör gebracht, vertreibt er häufig jene, die sowohl die Kontinuität des von Kindheit an gepflegten Glaubenslebens als auch eine Atmosphäre der Andacht suchen, und Suchende sind nicht nur "die Alten", sondern das sollten alle sein, vom Kind bis zum Greis. Mehr...


Wahrsagung im »SPIEGEL« von 1970: Das Ende des europäischen Kirchentums

»Die Zukunft der Kirchen liegt wahrscheinlich allein in der Wiederherstellung des Kultus«

Folgende Ausführungen finden sich in dem Artikel »Abschied von den Kirchen« von Rüdiger Altmann, in: SPIEGEL, Nr. 28 vom 6. Juli 1970. Der geneigte Leser möge die Lage in unseren Tagen selbst beurteilen.

Man braucht nicht das Urteil künftiger Historiker abzuwarten, um das Ende des europäischen Kirchentums vor sich zu sehen. Es ist nicht das Ergebnis von Kulturkämpfen und diktatorischer Unterdrückung. Zumal auf dem Schauplatz der Bundesrepublik sind die wesentlichen Kompromisse zwischen Staat und Kirche, der Kirchen untereinander, zwischen Säkularisation und Theologie zufriedenstellend formuliert, die Konfessionen Teilhaber des legalisierten Pluralismus, kein Gegner weit und breit. Der Fluch Voltaires ist verhallt, der philosophische Atheismus und die ideologische Entlarvung des Christentums gehören schon zu den Antiquitäten des 20. Jahrhunderts. Aber jetzt, nachdem die großen Stürme abgeflaut sind und die heroischen Illusionen des Widerstandes ihre organisierende Kraft verlieren, suchen die Kirchen selbst die Erlösung von ihrer geschichtlichen Existenz. Der Abschied der Kirchen von der Gesellschaft vollzieht sich nicht im Kampf, höchstens im Kampf um Anpassung.  Zum vollständigen Artikel...


18. Kölner Internationale Liturgische Tagung 2017

Für nähere Informationen bitte auf das Banner klicken.


2016 – Wenn das "Fest Mariä Verkündigung" auf den Karfreitag fällt

'This doubtful day of feast or fast': Good Friday and the Annunciation

This year Good Friday falls on Lady Day, the feast of the Annunciation. This is a rare occurrence and a special one, because it means that for once the day falls on its 'true' date: in patristic and medieval tradition, March 25 was considered to be the historical date of the Crucifixion. It happens only a handful of times in a century, and won't occur again until 2157.

These days the church deals with such occasions by transferring the feast of the Annunciation to another day, but traditionally the conjunction of the two dates was considered to be both deliberate and profoundly meaningful. The date of the feast of the Annunciation was chosen to match the supposed historical date of the Crucifixion, as deduced from the Gospels, in order to underline the idea that Christ came into the world on the same day that he left it: Mehr...


Kirchenmusik – eine Geschmacksfrage? Anmerkungen zur liturgischen Praxis

von Dr. Johannes Laas

Im überlieferten Ritus erscheint es undenkbar, daß etwa – wie es bisweilen in der Neuen Messe geschieht – zur Lesung aus dem „Kleinen Prinzen“ vorgetragen würde. Bunte Kerzen am Altar, farbige Altartücher oder eine regenbogenfarbige Stola des Priesters sind in diesem Rahmen schlicht nicht vorstellbar. Meßgewänder aus Jeansstoff, ein Kelch aus Keramik oder Glocken, eingespielt von einer CD – all dies erschiene Kennern und Liebhabern der Alten Messe wohl als liturgische Entgleisung. Wie aber kommt es, daß im Hochamt häufig eine Musik zu hören ist, die wenig oder keinen Bezug zur Liturgie hat? Daß etwa im Sommer zur Kommunion eine Orgelparaphrase von J. S. Bach über ein mehr oder weniger bekanntes Adventslied erklingt, an Ostern mit Geigen Musik aus Filmen oder an Weihnachten gar aus dem „Requiem“ eines bekannten englischen Musicalkomponisten?

Auf Nachfrage erhält man manchmal die Antwort: „Es ist halt eine Geschmacksfrage.“ Ist sie das wirklich, die Kirchenmusik – bloß eine Frage des Geschmacks? Gelten für sie keine oder weniger Regeln als etwa für die Lesungen, die Meßgewänder oder den Altarschmuck? Diese Auffassung ist tatsächlich weit verbreitet, nicht nur im Rahmen der Neuen Messe. 

Mehr... (bitte zur S. 12 scrollen - PDF)


»Was Karl der Große für sein Volk, für das Reich, für Europa getan hat, ist uns Ansporn und Vorbild für unsere heutige Verantwortung, Christus nichts vorzuziehen«

Vor 850 Jahren, am 29. Dezember 1165, wurde Karl der Große heiliggesprochen. Heilige sind keine vollkommenen Menschen. Sonst wären König David, der Apostelfürst Petrus und der Völkerapostel Paulus keine Heiligen. „Was Karl der Große für sein Volk, für das Reich, für Europa getan hat, ist uns Ansporn und Vorbild für unsere heutige Verantwortung, Christus nichts vorzuziehen“ (Erzbischof Jean-Claude Périsset).

Im Juli dieses Jahres konnte das 800jährige Jubiläum des Aachener Karlsschreines gefeiert werden. Seine Fertigstellung erfolgte unter dem Stauferkönig Friedrich II. Am 25. Juli 1215, dem St. Jakobustag, wurde Friedrich II. in der Pfalzkirche Karls des Großen, dem heutigen Aachner Dom, zum König des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Zwei Tage später, am 27. Juli 1215, vollendete er mit dem Hammerschlag jenen Schrein, der fortan die sterblichen Überreste des großen Frankenherrschers bergen sollte. Der Aachener Karlsschrein ist zweifellos der bedeutendste Herrscherschrein des christlichen Abendlandes. Denn in ihm ruhen die Gebeine des Begründers des abendländischen, christlichen Kaisertums.

Die Entstehung des Aachener Karlsschreines steht in einem engen Zusammenhang mit der Heiligsprechung Karls des Großen, die Kaiser Friedrich I. Barbarossa 500 Jahre vor der Fertigstellung des kostbaren Schreines veranlaßt hatte. Die Kanonisation war – wie übrigens auch die Überführung der „heiligen drei Könige“ aus Mailand nach Köln – ein Ausdruck für die staufische Kaiseridee. Diese muß im historischen Kontext des Konfliktes zwischen Papst und Kaiser im Mittelalter gesehen werden, der gerade in der Stauferzeit seinen Höhepunkte erlangt hat. Bereits wenige Jahrzehnte nach der Kanonisation, also noch in der zweiten Hälfe des 12. Jahrhunderts, bildete sich eine eigene Karlsliturgie heraus. Mehr...


Warum der Teufel Kirchenmusik haßt

Geistliche Musik erreicht die Tiefe unserer Seele und weckt in uns die Sehnsucht nach dem Himmel, schreibt der katholische Autor Philip Kosloski. Viele Menschen seien im Lauf der Jahrhunderte durch die Kirchenmusik näher zur Kirche gekommen, ergänzt er. Musik habe die Fähigkeit, an der Vernunft vorbei direkt das Innerste der Seele anzusprechen und den Menschen zu Gott zu erheben. Das möge der Teufel nicht, schreibt Kosloski. Mehr...

www.philipkosloski.com/why-the-devil-hates-sacred-music/


Eine prachtvolle Potemkinsche Kirche - St. Cassian in Regensburg restauriert

Zu Beginn sei es ganz deutlich gesagt. Dem Stiftskapitel »U. lb. Frau zur Alten Kapelle« in Regensburg ist nicht genug zu danken, daß man sich trotz der immensen sonstigen finanziellen Belastungen entschlossen hat, die Stiftspfarrkirche St. Cassian zu renovieren und damit den nicht mehr weit entfernten Verfall dieser bedeutenden Kirche wirklich im letzten Moment noch aufzuhalten. Der Dank gilt natürlich auch allen Institutionen, die mitgewirkt haben, nicht zuletzt auch allen edlen Spendern, vom großen Beitrag bis hin zum in ganz anderer Weise hochwertigen »Scherflein der Witwe«.

Großartig ist das Konzept der Renovierung nicht zuletzt aufgrund seiner Behutsamkeit. So hat man nicht mit einer neuen »Originalfassung« alles überrumpelt, sondern die Fassung der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts als maßgeblich bestehen lassen, vieles nur gereinigt, wo notwendig neu gefaßt, die Fresken mit dem Hl. Cassian im Heilsplan Gottes und mit den alttestamentlichen Vorbildern Mariens im Mittelschiff, der Vita des Patrons St. Cassian im Nordschiff und der Geschichte der Kirche im Südschiff wieder zum Leuchten gebracht. Die Altäre durften ihre alte Fassung weitgehend behalten, leuchten aber, von jahrzehntealtem Schmutz befreit, nun wieder milde. Auch die bisherige Orgel durfte – Gott sei Dank – wieder ihren Platz in ihrem markanten geteilten neubarocken Gehäuse einnehmen. Ein Instrument aus der Regensburger Orgelbauwerkstatt Martin Binder & Sohn von 1908, mit einer wieder voll funktionierenden pneumatischen Taschenlade, mit einer original erhaltenen romantischen Disposition, erstellt von Peter Griesbacher (starkes 16‘ und 8‘ Fundament, tiefe 2 2/3-Mixtur usw., feines Echo-Werk, und – nicht zuletzt – ein pneumatisch betriebenes Kalkanten-Glöckchen!), darf wieder klingen.

Hier hat man allein auf dem Boden der »Alten Kapelle« in Regensburg offensichtlich die letzten Jahrzehnte viel dazugelernt. Als man in den 90er Jahren an die Renovierung dieser Stiftsbasilika ging, wurde die von vielen so geschätzte Fassung der 30er Jahre in Bausch und Bogen verworfen zugunsten einer – halt wieder einmal so erachteten – originalen Fassung, die zumindest die Basilika heute ungleich prächtiger, aber auch ungleich kälter erscheinen läßt, als sie die alten frommen Regensburger gewohnt waren. Auch die Orgel aus den 70er Jahren wurde später zugunsten des heute als »Papst-Orgel« bekannten neuen Mathis-Instruments ersetzt. Heutige Auffassung traut da dem Stilempfinden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts offensichtlich wieder viel mehr zu als noch vor wenigen Jahren und Jahrzehnten. (Vielleicht tut hier eine nicht mehr ganz so dicht gewobene finanzielle Decke durchaus auch Gutes!) Soweit hätte die Renovierung von St. Cassian zu einer riesigen Erfolgsgeschichte werden können.

Doch nun zum Problem, das einem die Freude weitgehend raubt. In St. Cassian hatte bis zur Renovierung das gesamte Interieur seine ihm zukommende Aufgabe und seinen Sinn behalten. Der Hochaltar, der zentrale Blickfang für jeden, der die Kirche betritt, den man 1908 nach dem originalen Dirrschen Rokoko-Modell anstelle eines neuromanischen Purifikations-Interims perfekt rekonstruieren ließ, dieser Hochaltar war täglich mindestens einmal der »liturgische Ort« der Eucharistiefeier, am rechten Seitenaltar wurde ebenso noch manchmal zelebriert, die Kommunionbank lud den einen oder anderen zum knieenden Kommunionempfang ein, usw. Gerade die geniale, elegante und charmante Gestaltung der Kommunionbank, die sich lediglich mit Unterbrechung durch die beiden östlichen Säulen vom linken Seitenaltar mit seinem Vesperbild vorbei an den Staffeln des Hochaltars bis hinüber zum rechten Seitenaltar mit Leinbergers Schöner Maria schlängelt, ist zwar erhalten, aber seit kürzester Zeit klobig, klumpig, unkultiviert verklotzt und letztlich unbrauchbar geworden.

Man ahnt die Ursache: Wieder einmal wurde eine Kirche durch die Neuschaffung der »liturgischen Orte«, d. h. Ambo, Altar und Sedilien, brutal verunstaltet. Niemand, der die Cassianskirche auch nur einigermaßen verstanden hat, oder sie sogar liebt, kann verstehen, wie so etwas geschehen konnte. Nun steht also auf dem früher wohltuend zu empfindenden relativ großen Platz vor der ersten Bank hin zum Kommuniongitter ein durchaus mit einer etwas seltsamen Gefriertruhe zu verwechselnder Klotz, in unbarmherzigem Weiß ausgeführt mit seinem Zubehör Ambo und Sitze. Mit diesem, in jeder Asterix-Inszenierung als Druidenstein zu gebrauchenden »Volksaltar«, hat man das Gegenteil zu allem gesucht, was in dieser Kirche schon da war. Man hat alles, was man mit so viel Verstand in dieser 885 ersterwähnten Kirche gerettet und erneuert hat, optisch, kunsthistorisch und theologisch abgewatscht vom feinsten. Man hat die Altäre und die Kommunionbank außer Betrieb gestellt, wie eine alte Dampflok vor dem grauslichen neuen Bahn-Gebäude stehen lassen und in dieser Kirche etwas inszeniert, was all das Schöne, das diese Kirche uns aus anderen Zeiten herüberschenkt, zur Attrappe, eben zum Potemkinschen Dorf werden lassen. Wie kann es dazu kommen?

Nun, nicht nur in der Regensburger Diözese, nein fast überall erkennt man bei Kirchenrenovierungen bis hinaus in die kleinsten Dorfkirchen einen blinden aber unbändig scharrenden Maulwurfseifer beim »Einpressen« von – fest verankerten – Volksaltären. Man fühlt förmlich den Druck bei den hauptamtlichen Renovateuren der Bistümer, »kurz vor 12« noch ihr unbarmherziges Tun vollenden zu können. Da erzählt man sich von Pfarrgemeinderäten und Kirchenverwaltungen, die für ihre tolle Dorfkirche kein Drahtgestell, keinen Druidenstein, keine Plexiglas-Täuschung wollen, die aber von bischöflichen Bau- und Kunstkommissionen niedergemacht werden; der Volksaltar wird dann mit Bistumsgeld bezahlt und der Gemeinde aufoktroyiert.

Soll man also in St. Cassian schon ein Gold gesponnen habendes Rumpelstilzchen aus der gehobenen Diözesanverwaltung vermuten: »Heute back ich, morgen brau ich, und übermorgen liefere ich den Stein, den die Kanoniker dann umspringen dürfen?« Ich glaube nicht. Auch wenn mir die Hintergründe zur Finanzierung dieser voll verunglückten »Altarlösung« wirklich egal sind, so vermute ich doch, daß die Alte Kapelle die Verunstaltung ihrer Pfarrkirche selber bezahlen durfte. Beim Geldfluß zur übrigen Renovierung könnte eventuell der eine oder andere Hinweis auf die »Unumgänglichkeit einer liturgischen Neuorientierung« schon meinungsbildend gewesen sein. Doch noch einmal: das kann einem von Herzen wurscht sein.

Viel bedenklicher erscheint mir die liturgiegeschichtliche Ignoranz, die bis heute brav weiter am Leben gehalten wird, die von Berufsmodernisten im Priester- und Laienstand mit unendlich Geld im Koma weitergefüttert wird, obwohl sie längst hinüber ist. Hört denn keiner auf das, was Joseph Ratzinger schon im »Fest des Glaubens« geschrieben hat? Ignorieren alle Verantwortlichen das, was Papst Benedikt XVI. in diesem Zusammenhang nicht müde wurde einzuklagen? In der einen Kirche sich mit einer »Papst-Benedikt-Orgel« zu dekorieren, die liturgischen Herzensanliegen desselben Papstes in der zweiten Kirche aber derart bös abblitzen zu lassen, ist der Gipfel der Unehrlichkeit. Würde das Sitftskapitel und viele andere doch wenigstens einmal das kleine Büchlein von Uwe Michael Lang »Conversi ad Dominum«, dem Kardinal Ratzinger ein so positives Geleitwort mitgegeben hat, wohlwollend lesen, würde man sich mit der Cassians-Altarlösung wohl in Grund und Boden schämen. Resümee der gar nicht mehr so neuen Forschung und dieses Büchleins ist doch die Entlarvung des Volksaltares als historische Fehlinterpretation, als gesetztes Konstrukt einerseits der reformatorischen Zeit und andererseits liturgischer Schwarmgeister des 19. und 20. Jahrhunderts.

Ich meine, die Begründung dürfte noch einfacher sein. Das Kapitel zur Alten Kapelle galt immer als ein Hort des gerade Gestrigen. Und so wird wohl die Mehrheit der derzeitigen Kanoniker sich noch mit Wonne an eine Jugend mit Burg-Rothenfels-Erfahrungen erinnern, auch mit handverdecktem Kichern erinnern an die ersten verstohlenen Messen »versus populum« damals 1963 mit der KAB-Jugend (natürlich noch verboten), sich erinnern wie man siegreich den armen alten Heimatpfarrer zu einer Primizmesse »zum Volke hin« drängte, sich erinnern an die Aufbruchsstimmung nach dem Konzil, usw. usw. Und so pflegt das Stiftskapitel halt wieder einmal das Gestrige.

Wie ehrenvoll, wie super und klasse wäre es gewesen, wenn man einmal wirklich die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Altargeschichte gewürdigt hätte, wenn man sich entschieden hätte, eine Kirche in der Stadt so zu belassen, wie sie war, wenn man den frommen Regensburgern, die St. Cassian so geliebt haben, wie es eben war, nicht eine vor den Latz geknallt hätte, ihnen ihre Kirche best renoviert wieder geschenkt hätte, anstatt sie einem liturgischen Umerziehungsprogramm übelster Sorte zu unterwerfen, wenn, wenn,... Die Kirche von Regensburg hätte ihre »Alte Kapelle« nicht mehr verstanden, vielleicht aber bewundert. Und im übrigen: da rettet auch eine eigens aus Brixen über die Alpen gebrachte Cassiansreliquie im Volksaltar die Situation nicht mehr. Die Cassianskirche hatte schon längst eine Reliquie ihres Patrons in einem schönen Ostensorium; warum dann eine weitere? »The show must go on«? Oder wollte man mit dem Heiligenknöchelchen bei den Kritikern des neuen Altars auf fromme Zurückhaltung schinden? Bei der Erhebung der Cassiansreliquien durch den Brixener Bischof Dr. Ivo Muser zum Zweck der »Gewinnung« einer Reliquie für Regensburg heuer im Sommer, fand es bemerkenswerter Weise kein Kanoniker der Alten Kapelle für wert, in Brixen dabei zu sein. »Braucht’s net« war immer ein gängiges Axiom im Stiftskapitel.

Ja, vielleicht müssen wir auf eine Zeit warten, da eine neue Kanonikergeneration die Cassianskirche wieder herrichtet, wie sie sich gehört, weil sie souverän über den irrigen Ansichten über die heutigen »liturgischen Orte« steht, die aber dann irgendetwas anderes – dann auch Gestriges – zum großen Programm erhebt. Wir werden es sehen.


Ein alter Liebhaber der Cassianskirche in Regensburg


Bericht hier. – Photo © SISA e.V.


Anton Bruckner zur Ehre der Altäre erheben

Anton Bruckner (1824-1896), der im katholischen Sinn tiefgläubige Kompositionsmeister aus Ansfelden in Oberösterreich, erst Sängerknabe im nahegelegenen Stift St. Florian, später Stiftsorganist daselbst, dann Domorganist in Linz und schließlich Musikprofessor und Hoforganist in Wien schuf ein quantitativ wie qualitativ gewaltiges Œuvre an geistlichen und weltlichen Kompositionen der verschiedenen Musikgattungen. In besonderem Maße ragen seine Sinfonien und seine geistliche Vokalmusik mit oder ohne Instrumentalbegleitung hervor.

In dem gerade im Augsburger Dominus-Verlag erschienenen Buch von Prof. Dr. Adelheid Geck, Musikpädagogin, Musikwissenschaftlerin und Schülerin des Berliner Komponisten Max Baumann (1917-1999), arbeitet die Autorin in übersichtlicher Weise das Leben Bruckners und seine Wirkung auf die Zeitgenossen heraus und führt in ansprechender und leicht verständlicher Sprache in ausgewählte Werke Bruckners ein. Im Vordergrund steht dabei weniger der musikhistorische Kontext als vielmehr die Frömmigkeit des Meisters, die zur eigenen Suche nach beglückender Gotteserfahrung Hilfestellung sein kann. »Es gibt wohl keinen anderen Komponisten des 19. Jahrhunderts, der so fest in einer erlebten herzenstiefen Frömmigkeit wurzelte, dem Gebet, Beichte, Sakrament und Bekenntnis in so einem hohen Maße Lebenselement waren«, bemerkt der Musikwissenschaftler Friedrich Blume. Ein Schüler Bruckners erinnert sich: »Manchmal geschah es, daß der Meister, zurückgelehnt in seinem Stuhl, regungslos dasaß. Erst glaubte ich, er dächte über seine Komposition nach, mit der Zeit aber fiel mir auf, daß mir immer bei diesem Zustand eine Glocke auf der nahen Votiv-Kirche läutete: Bruckner betete.«

Geck beginnt mit der Darstellung der Person des Komponisten in Berichten von Biographen, in Deutungen und Urteilen, um dann zu einer Begegnung mit seinen kirchenmusikalischen Werken der St. Florianer und Linzer Zeit (Windhaager Messe; Afferentur regi virgines; Ave Maria; Libera me; Messe Nr. 2 e-moll) und den orchestralen Kompositionen und geistlichen Chorwerken der Wiener Zeit (Sinfonien; Psalmvertonungen; Motetten »Os justi«, »Tota pulchra es«, »Virga Jesse«, »Christus factus est«, »Ecce sacerdos«, »Vexilla regis«, »Locus iste«; Te Deum) hinzuführen und zu versuchen, ihre spirituelle Tiefe zu erfassen. So kann man mit Recht Bruckner als »Vorbeter« bezeichnen, der »demütige Anbetung« mit »hochjauchzendem Lobgesang« verbindet.

Die Autorin scheut auch nicht davor zurück, ihre persönlichen Ereignisse und Glaubenserlebnisse mit der Musik Bruckners einzuflechten und lädt ein, die Musik »dieses außergewöhnlichen Komponisten mit heiligmäßigem Lebensbild«, aus tiefem Gebet entstanden, mitzubeten. Ihr kommt es »auf eine noch höhere Ehrung und Verehrung des begnadeten, deutlich erkennbar von Gott beauftragten Komponisten Anton Bruckner an« (S. 194). Sie fragt und antwortet sogleich: »Ist Bruckner in seinen Werken und in seiner Gebetswelt nicht selbst in seiner Person die Verbindung zum Allmächtigen? Er, […], der im Erklingen seiner musikalischen Schöpfungen uns mit sich nimmt auf den Weg zu Gott? Ja, und das ist die Berufung eines Heiligen« (S. 195/196).

Folgerichtig regt Geck die Seligsprechung Anton Bruckners an und hat dafür auch schon prominente Unterstützung gewonnen. Ihr Buch ist sowohl eine wertvolle Hinführung zur Entdeckung oder Wiederentdeckung des Meisters, seiner Werke und des Heiligen, also Gottes, in seiner Musik, als auch ein publizistischer Vorstoß, um für eine Kanonisation dieses künstlerischen Menschen einzutreten. Geck hat hier die ersten Schritte für einen solchen Prozeß getan. Es wäre zu wünschen, daß die Quelle ihrer Anregung sich zu einem breiten, mächtigen Strom entwickelt.

Adelheid Geck: Demütige Anbetung – hochjauchzender Lobgesang, Anton Bruckner als Vorbeter. Augsburg: Dominus-Verlag, 2015, 240 Seiten, ISBN 978-3-940879-43-1. 14,95 €.


Petrus Alamire - Musik in Bilder gefaßt

Im Rahmen des "Festivals von Flandern" zeigt die Antwerpener Kathedrale noch bis zum 22. November eine prächtige Ausstellung mit Kaligraphien und Musikbüchern des Notenkopisten Petrus Alamire, der einer Nürnberger Kaufmannsfamilie entstammt. Alamire schuf während der Renaissance wunderbare handschriftliche Notenblätter zu polyphoner Musik.
 
Petrus Alamire (*um 1470 in Nürnberg, + 26. Juni 1536 in Mechelen), der eigentlich Peter Imhoff hieß, ist dieses Jahr die zentrale Figur des Festivals von Flandern in Antwerpen. Jedes Jahr finden bei diesem Festival auch die Tage der polyphonischen Musik statt, doch diese „Laus Polyphoniae“ genannte Konzertreihe hat zum ersten Mal keinen Komponisten als zentrale Figur, sondern mit Petrus Alamire einen Musikkopisten. Er schuf Bücher und Kaligraphien von ganz besonderer Schönheit zu einer Zeit, in der die Buchdruckerkunst noch in den Kinderschuhen steckte. Mehr...

Alamire Foundation - Internationaal centrum voor de studie van de muziek in de Lage Landen


»Abendländische Musik ist etwas Einzigartiges, ohne Entsprechung in anderen Kulturen«

Dankesworte von Benedikt XVI., Papa emeritus, zur Verleihung des Ehrendoktorats der Päpstlichen Uni Johannes Paul II. und der Musik-Akademie von Krakau (Polen), Castel Gandolfo, 4. Juli 2015

Eminenz! Magnifizenzen! 
Sehr verehrte Herren Professoren! Meine Damen und Herren! 

In dieser Stunde kann ich nur ein großes Wort herzlichen Dankes sagen für die Ehre, die Sie mir mit dem Doctoratus honoris causa geschenkt haben. Mein Dank gilt besonders dem Großkanzler, der lieben Eminenz Kardinal Stanisław Dziwisz, und den akademischen Autoritäten der beiden Akademischen Institutionen. Ich freue mich vor allem, daß auf diese Weise meine Verbindung mit Polen, mit Krakau, mit der Heimat unseres großen heiligen Johannes Paul II. noch tiefer geworden ist. Denn ohne ihn ist mein geistlicher und theologischer Weg nicht denkbar. Er hat uns auch durch sein lebendiges Beispiel gezeigt, wie die Freude an der großen Kirchenmusik und der Auftrag zur gemeinsamen Teilnahme an der heiligen Liturgie, wie die festliche Freude und die Einfachheit der demütigen Feier des Glaubens miteinander gehen können.

An dieser Stelle war ja ein uralter Gegensatz in den Jahren der Nachkonzilszeit mit neuer Leidenschaft aufgebrochen. Ich selber bin im Traditionsraum von Salzburg aufgewachsen. Die festlichen Messen mit Chor und Orchester gehörten ganz selbstverständlich zu unserem gläubigen Erleben der Liturgie. Es bleibt mir unvergessen, wie zum Beispiel mit den ersten Klängen der Krönungsmesse von Mozart irgendwie der Himmel aufging und die Gegenwart des Herrn ganz tief zu erleben war. Aber daneben war doch auch schon die neue Welt der Liturgischen Bewegung gegenwärtig, besonders durch einen unserer Kapläne, der später Subregens und Regens in Freising wurde. In meinem Studium in München bin ich dann durch die Vorlesungen von Professor Pascher, einem der bedeutenden Konzilsexperten, und vor allem durch das liturgische Leben in der Seminargemeinschaft ganz konkret in die Liturgische Bewegung hineingewachsen. So wurde langsam die Spannung zwischen der der Liturgie gemäßen participatio actuosa und der die heilige Handlung überwölbenden festlichen Musik spürbar, auch wenn ich sie noch nicht allzu stark empfunden habe.

In der Liturgie-Konstitution des II. Vatikanischen Konzils steht ganz klar der Satz: „Der Schatz der heiligen Musik muß mit größter Sorge bewahrt und gefördert werden“ (114). Auf der anderen Seite steht die Betonung der participatio actuosa aller Gläubigen am heiligen Geschehen als liturgische Grundkategorie im Text. Was in der Konstitution noch friedlich beieinander ist, ist dann in der Rezeption des Konzils in eine oft dramatische Spannung zueinander getreten. Maßgebende Kreise der Liturgischen Bewegung waren der Meinung, die großen Chorwerke und gar die Orchester-Messen hätten in Zukunft nur noch Raum in den Konzertsälen, nicht in der Liturgie. In ihr könne nur das gemeinsame Singen und Beten aller Gläubigen Platz haben. Auf der anderen Seite war da das Erschrecken über die kulturelle Verarmung der Kirche, die damit verbunden sein mußte. Wie läßt sich beides zusammenbringen? Wie ist das Konzil in seiner Ganzheit zu verwirklichen – das waren die Fragen, die sich mir und vielen anderen Gläubigen, einfachen Menschen wie theologisch Gebildeten, aufdrängten.

Weiter Quelle: http://de.radiovaticana.va/news/2015/07/04/die_ansprache_von_benedikt_xvi_-_volltext/1156064


»O CAMISIA PURPURATA« – Die mittelalterlichen liturgischen Gesänge der Aachener Heiligtumsfahrt

Die Aachener Heiligtumsfahrt, eine der bedeutendsten und größten Wallfahrten der Christenheit neben den Wallfahrten nach Jerusalem, Rom und Santiago di Compostela, zieht seit Jahrhunderten unzählige Pilger an, die in Aachen vor allem die textilen Reliquien aufsuchen, die mit der Menschwerdung Gottes in der Person Jesu Christi und seiner Passion in engstem Zusammenhang stehen. Neben den drei kleinen Heiligtümern sind dies vor allem die vier großen Heiligtümer - Kleid Mariens, Windeln Jesu, Enthauptungstuch Johannes des Täufers und Lendentuch Christi -, die als Zeichen der Nähe Gottes zu den Menschen sowohl in privater Andacht als auch im liturgischen Ritus verehrt werden.

Von der Musik der römisch-katholischen Liturgie, die zur kultischen Feier der Zeigung der vier großen Heiligtümer im mittelalterlichen Aachen gesungen wurde, handelt dieses Buch. Es möchte dazu beitragen, daß diese altehrwürdigen gregorianischen Gesänge mit ihren höchst qualitätvollen Texten in der Muttersprache der römisch-katholischen Kirche - in Latein - auch heute wieder in der liturgischen Praxis der Heiligtumsfahrt erklingen können.

TUNGER Michael: "O CAMISIA PURPURATA" - Die mittelalterlichen liturgischen Gesänge der Aachener Heiligtumsfahrt bei der Weisung der vier großen Heiligtümer und der Verehrung der Reliquien Karls des Großen; Herkunft, Übersetzung und Transkription, Softcover, 102 Seiten, 1 s/w und 1 Farbabbildung, ISBN 978-3-945289-01-3, Aachen 2014, Edition SINFONIA SACRA e.V.  Bestellung hier.


Julius van Nuffel (1883-1953): Statuit ei Dominus, op. 30 (1924),
für vier- bis sechsstimmigen Chor und Orgel


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